Bedeutende Kurstadt in Unterfranken: Bad Kissingen

Im Jahr 2021 verlieh die UNESCO insgesamt elf Städten in Europa die Auszeichnung »Bedeutende Kurstädte Europas« und nahm sie somit ins Welterbe auf. Drei dieser Städte liegen in Deutschland – und zwar Baden Baden, Bad Ems und eben Bad Kissingen. Ebenfalls auf dieser Liste zu finden: Das tschechische Karlsbad, dem ich im Sommer einen Besuch abstattete.
Nun mag man auf die Idee kommen, dass ich langsam alt werde oder sich fragen, ob ich kränkele, dass ich auf meinen Reisen eine Bad-Stadt nach der anderen abklappere. Schließlich war ich ja auch erst vor ein paar Tagen in Bad Dürkheim. Und in der Tat ist es ja auch so, dass in diesen Bäderstädten nun nicht gerade der Bär steppt, sondern das herumlaufende Publikum eher gesetzteren Alters ist.


Als Antwort auf die Frage kann ich aber tatsächlich nur sagen: Im Grunde reiner Zufall – verbunden vielleicht, dass ich die Architektur in alten Bäderstädten oft sehr mag. Reiner Zufall deshalb, weil sowohl Bad Dürkheim als auch Bad Kissingen vor allem auf dem Weg rund um den Glubb liegen. Die Pfalz am letzten Wochenende beim Auswärtsspiel, Bad Kissingen nun auf dem Weg zum Heimspiel am Samstag gegen Braunschweig.
Und ja, es ist auch so, dass ich die Architektur in den Bäderstädten mag. Das Mondäne und Extravagante, das von Zeiten erzählt, als die berühmten Kurgäste noch in Kutschen anreisten und nicht von dieser Welt schienen.


Heute ist das anders. Die Gäste kommen entweder zur Kur, deren Kosten in den meisten Fällen von der Krankenkasse übernommen werden oder sie kommen in ganzen Busladungen voller Rentner und Rentnerinnen, die den ganzen Tag nichts Besseres zu tun haben, als einem in mehr als gemächlichem Schritt durchs Fotomotiv zu latschen und dabei natürlich auch noch drei bis fünf Mal direkt vor dem anvisierten Motiv stehen zu bleiben, um einen Plausch zu halten.
Ja, ich mag diese Reisegruppen und vielleicht sind auch sie mit ein Grund, warum ich diese Bäderstädte so gerne besuche. Man kommt sich auch mit 55 Jahren noch extrem jung und agil vor. Wer an dieser Stelle nun so etwas wie Ironie findet, darf sie gerne behalten.
Zur umfassenden Wahrheit gehört allerdings auch, dass ich Bäder vor allem dann mag, wenn sie ihre besten Zeiten hinter sich haben. Wenn der Lack so langsam abplatzt, wenn die Fassaden bröckeln und die Gebäude den Gesichtern der Menschen aus den Busladungen ähneln. In erster Linie wäre da das ehemalige Seebad Blackpool an der Westküste Englands zu nennen, welches seine besten Zeiten mit Sicherheit hinter sich hat und wo ich mich im Sommer 2023 pudelwohl gefühlt habe.


Auf Verfall hofft man in Bad Kissingen jedoch vergeblich. Die fränkische Kurstadt ist sowas von rausgeputzt, dass es dann auch schon wieder eine Freude ist. Und wenn der Lack dann doch mal irgendwo zerplatzt, wird eben sofort renoviert. Irgendeinen Vorteil muss so ein UNECSO Welterbe ja haben. Und wenn es das Geld ist, das zur Erhaltung fließt.
Wie ich oben schon geschrieben habe: Der Bär steppt mit Sicherheit woanders und die angepriesenen Kulturveranstaltungen zielen unverkennbar in Richtung Generation Ruhestand. Das Stadtbild ist geprägt von Ankündigungen der Mitklatsch-Schlager und der Volksmusik. Im Regentenbau geben sich aber immerhin Größen wie Hansi Hinterseer, Andy Borg und GG Andersen die Klinke in die Hand. Und heutzutage fällt da dann auch ein Harald Schmidt mit seinem Programm gar nicht mehr auf.


Wer es eher kneipentechnisch rustikal mag, ist im »Zoom Eulenspiegel« in der Bachstraße 1 gut aufgehoben. Täglich ab 17 Uhr gibt es hier eine große Bierauswahl, die ihre Qualität hat, wie man es in Franken gewöhnt ist. Allgemein gilt natürlich auch in Bad Kissingen wie im Rest von Franken: Kulinarisch gibt es nichts zu meckern. Die Möglichkeiten sich deftig den Bauch vollzuhauen, sind zahlreich vorhanden. Und wer sich leckere Schmankerl mit nach Hause nehmen will, sollte unbedingt bei »Faber Feinkost« in der Oberen Marktstraße 11 vorbeischauen.
An eine Sache muss und sollte man sich bei einem Aufenthalt in Bad Kissingen wieder gewöhnen. Etwas, dass man aus Berlin so gar nicht mehr kennt: Die Läden machen hier auch in der Innenstadt um 13 Uhr Mittagspause. Sprich: Sie schließen für eineinhalb Stunden und öffnen ihre Türen erst um 14.30 Uhr wieder.
































