Noch nicht reif

#27 – 31.03.2025
Sonntag, 30.03.2024 – SSV Jahn Regensburg – 1.FC Nürnberg . 2:1 (0:1)
Die Vorzeichen waren so gut und umso mehr hat es am Ende weh getan. Wer das Zweitligageschehen aus Glubbsicht am Wochenende verfolgt hatte, konnte eine gewisse Vorfreude auf das Duell in Regensburg nur schwer verbergen. Hannover und Magdeburg hatten sich gegenseitig die Punkte geklaut, indem sie diese geteilt haben. Auch Hamburg und Elversberg mussten sich im direkten Duell mit einem Punkt zufrieden geben. Es war also angerichtet. Ein Sieg beim Tabellenletzten und der 1.FC Nürnberg würde auf Platz fünf der Tabelle springen und zumindest Platz drei ins direkte Visier nehmen.
Dem erfahrenen Clubfan wurde jedoch allein bei dem Gedanken schon schwindelig und es beschlich ihn das ungute Gefühl, dass die Oberpfälzer zwar Tabellenletzter waren, sich zuletzt in der heimischen Arena jedoch äußerst stark gezeigt hatten. Die Unentschieden gegen den Hamburger SV und den SC Paderborn kamen nicht von ungefähr. Man sollte also auf der Hut sein.
Und das war man auf Seiten des FCN zunächst auch. An der ersten Halbzeit in Regensburg gab es im Grunde nichts zu meckern – abgesehen von der Tatsache, dass man »nur« 1:0 führte. Man hatte die Gastgeber dominiert, sich Chancen herausgespielt und das Geschehen auf dem nicht ganz so grünen Rasen vermeintlich im Griff. In die zweite Halbzeit startete man mit dem guten Gefühl, dass das mit den drei Punkten heute schon irgendwie hinhauen sollte.
Dummerweise hatte man die eigene Präsenz in der Pause in der Kabine gelassen und traf nun zudem auf einen Gegner, der plötzlich unbedingt wollte. Und der Dank des Unglücksraben Florian Flick auch konnte, wie er wollte. Der Ex-Schalker auf Nürnberger Seite war für den verletzten Robin Knoche bereits in der ersten Halbzeit eingewechselt worden und konnte hinten zunächst wenig kaputt machen, da der Club im Vorwärtsgang vor allem in der gegnerischen Spielfeldhälfte agierte.
Anders war dies vor allem in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit und Flick führte sich zu dieser Zeit auf, als sei er der berühmte Elefant im Porzellanladen. Was er in die Hände bzw. an den Fuß oder an den Kopf bekam, zerdepperte er ohne Rücksicht auf Verluste. Und die Gastgeber nahmen die Geschenke gerne an, wussten selbst nicht, warum sie plötzlich führten uns sahen zu, wie der eingewechselte Flick auch prompt wieder ausgewechselt wurde.
Ähnlich wie für den Defensiv-Allrounder, der er gerne wäre, war es auch für die Clubfans im weiteren Verlauf kaum zu ertragen. Viel zu harmlos präsentierte sich der FCN auf der Suche nach Lösungen, um das Spiel umzubiegen und zu zeigen, dass man Platz fünf wirklich wollte. Und so vergab man die große Gelegenheit, sich noch einmal mit Vehemenz im Aufstiegsrennen anzumelden. Die Mannschaft von Miroslav Klose hat in dieser Saison schon viel Spaß gemacht und vielleicht kommt bis zum Saisonende auch das ein oder andere Highlight noch dazu. Für ganz oben wird es jedoch nicht reichen. Das hat das Spiel am Sonntag gezeigt. Selbst der Trainer gab nach der schmerzlichen Niederlagen zu: »Ich dachte, wir wären schon weiter.«
Es durfte also ein paar Mal geträumt werden, doch am Ende der Saison muss man auch zugeben: Immer dann, wenn die Lücke nach oben hätte geschlossen werden können, blieb der letzte Punch aus. So toll die Mannschaft ist und so sehr sie in Franken die unangefochtene Nummer eins ist: Für ganz oben ist dieses Team noch nicht reif genug.