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An der Südküste Englands: Brighton

Es kommt ja selten vor, dass ich sprachlos, doch im Grunde bin ich es noch immer. Auch einen Tag nachdem ich abgereist bin. Noch immer sprachlos darüber, dass ich so alt werden musste, um mal nach Brighton zu kommen. Geht’s noch? Warum hat mir nie jemand gesagt, wie großartig und wunderschön diese Stadt ist?!

Man nehme einfach London, schmeiße all das, was einem an der englischen Hauptstadt nicht gefällt, in den Müll und platziere den großartigen Rest dann noch direkt ans Meer. Et voilà: Brighton. Die schönste Stadt Englands. Mit Abstand.

Da ist eben zum einen mal das Meer und dazu der kilometerlange Strand. Die komplette Stadtbreite von Brighton And Hove wird hier abgedeckt und dort, wo die Stadt aufhört, beginnen die hohen, weißen Klippen, unter denen sich auch immer wieder kurze Abschnitte mit Strand- und Badestellen finden. Mehr oder weniger im Stadtinneren führt der Brighton Palace Pier genau 525 Meter weit hinaus aufs Meer. Und wie es in England eben so Sitte ist, läuft man auf dieser Seebrücke nicht einfach nur hinaus auf die See, sondern findet dort auch gleich einen ganzen Vergnügungspark – samt Geisterbahn, Autoscooter und zwei Achterbahnen. Zwei große Spielhallen dürfen natürlich auch nicht fehlen. Natürlich muss man das mögen und die Fahrgeschäfte sind auch schon ein wenig in die Jahre gekommen, aber gerade das macht den besonderen Flair aus.

Das Brighton Palace Pier wurde 1899 eröffnet und bis Anfang des Jahrtausends gab es in Brighton auch noch eine zweite Seebrücke. Auf dem West Pier standen u.a. eine Konzerthalle und ein Theatersaal. Zwei Brände in den Jahre 2003 und 2004 haben das Pier jedoch fast völlig zerstört. Seit dem steht vor der Küste ein abgebranntes Holzgerippe, das bis heute nicht wieder aufgebaut wurde.

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Ganz im Osten Brightons liegt die Brighton Marina. Früher war hier unterhalb der Kreidefelsen einfach ein großer Hafen. Dieser wurde in seiner Größe jedoch nie auch nur annähernd ausgenutzt und so entschloss man sich, den Hafenbereich trocken zu legen und legte gleich ein ganzes Stadtviertel drauf an. Hier gibt es heute einen Supermarkt, ein Kino, mehrere kleine Geschäfte und rund um den Yachthafen (der noch immer eine beachtliche Größe hat) viele Pubs und Restaurants, die zum Verweilen einladen.

Im Osten fällt auf der Seeseite vor allen das Brighton i360 auf. Schaut man im falschen Moment auf den 162 Meter hohen Aussichtsturm, bietet sich ein trostlosen Bild. Denn es scheint, als stände dort nur eine dünne Betonsäule direkt am Strand herum. Das Besondere am i360 ist jedoch die mit Rundumsicht ausgestattete Plattform, die sich tagtäglich hoch und runter bewegt. Unten wird eingestiegen, dann geht es in die Höhe.

Das war und ist die Seeseite Brighton. Begibt man sich gegenüber des Piers in Richtung Stadtmitte, fällt auf der linken Seite schon bald der Royal Pavillon auf. Hier handelt es sich um eine ehemalige, königliche Sommerresidenz. George IV. ließ sie von 1815 bis 1823 im Stile eines indische Mogulpalastes bauen – und das, obwohl er selbst vorher nie in Indien gewesen ist. Das Exotische betrifft auch nur das äußere Aussehen. Im Inneren des Palastes herrscht die typisch britische Art. Eine Sommerresidenz ist der Royal Pavillon übrigens schon lange nicht mehr. Heute befindet sich ein Museum in dem Gebäudekomoplex.

Vom Royal Pavillon ist es nur ein Katzensprung zum Brighton Dome. Ursprünglich waren dies die Reitställe zum Royal Pavillon, doch bereits 1860 wurde diese in einen Konzertsaal umgewandelt. Heute finden sich zwei Theatersäle und eine Konzerthalle im Dome. Zu Berühmtheit kam der Brighton Dome 1974, als hier der Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest) stattfand. Gewonnen hat eine damals noch völlig unbekannte Band aus Schweden. Sie präsentierten ihr Lied »Waterloo« und nannten sich selbst ABBA.

Vom Brighton Dome geht man nur wenige Straßen weiter und ist im North-Laine-Viertel. Dieser Kiez begeistert. Enge Gassen, kunstvoll gestaltete Häuser und Geschäfte, viele Pubs und Restaurants, kleine Läden, in den Kunst, Krempel und Mode verkauft wird. Wer hier nicht gerne bummeln geht, kauft wahrscheinlich freudlos online. Denn im Gegensatz zur Royal Lane in Edinburgh oder anderen Touristenmeilen, gibt es hier eben keine Souvenirshops, sondern kleine Läden, die mir eigenen Ideen zum Geld ausgeben einladen. Sei es mit originellen Kunstdrucken, mit exquisiten Buchläden oder auch mit selbst gestalteten T-Shirts und Hoodies.

Hinzu kommt, dass die Straßenzüge offen zur LGBTQ-Community steht. Überall wehen Regenbogenfahnen und auf den Hauswänden sind klare Statements für ein offenes und freies Leben aller Menschen zu sehen. Ein offenes, freies Viertel, das nach dem Shoppen zum Verweilen einlädt.

Überquert man von hier die West Street, landet man in »The Lanes«. Diese Straßenzüge werden gerne als die Altstadt von Brighton bezeichnet. Die Gassen sind eng, die Geschäfte klein, die Pubs gut besucht. Allerdings sind die Läden hier eher für die besser betuchten Gäste. Denn es reiht sich ein Juwelier-Geschäft an das nächste. Fast kommt man sich vor wie im Bahnhofsviertel von Antwerpen. Erst wenn die Gassen wieder etwas breiter werden, locken auch andere Geschäfte. Vor allem jedoch finden Touristen hier die Möglichkeit, ein Abendessen nach einem anstrengenden Tag zu sich zu nehmen. Die Auswahl ist vielfältig, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Und nach dem Essen sind es dann nur wenige Meter und man hat die Runde geschlossen. Unten am Meer lässt es sich dann bestens flanieren und wer Bock hat, nimmt in einer der vielen Strandbars noch einen Absacker.

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