AktuellAuf ReisenEngland

Englands nördlichste Großstadt: Newcastle

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sieht, dass ein Plan aufgeht und man sich das Beste tatsächlich für den Schluss aufgehoben hat. Denn auch, wenn ich von Sunderland mit seiner Lage am Meer durchaus angetan war, muss ich doch sagen: Newcastle ist da im Vergleich doch noch einmal ein gutes Stück vorne.

Das liegt zum einen natürlich schon mal an der Größe. Mit etwas über 300.000 Einwohner ist Newcastle upon Tyne (wie es offiziell heißt) fast doppelt so groß wie Sunderland. Auch in der Geschichte lag Newcastle immer ein wenig vorne und daraus resultiert eben auch, dass man in der nördlichsten Großstadt England sehr viel mehr monumentale Gebäude findet als in den anderen Städten. Allein die Grey Street ist mit ihren Prachtbauten und dem Royal Theatre ein Besuch in Newcastle wert.

Doch der Reihe nach: Von Stockton bin ich wieder mit dem Zug nach Norden gefahren. Schon der Bahnhof in Newcastle war ein großer Unterschied zur unterirdischen Haltestelle in Sunderland. Von dort ging es über die Grainger Street direkt ins Zentrum. Schon bald zeigte sich: Auch Newcastle ist in der Innenstadt vor allem eine Stadt zum Einkaufen. Je mehr man sich dem Grey’s Monument nähert, desto höher wird die Geschäftsdichte und spätestens, wenn man nördlich der Statue in die Northumberland Street abbiegt, ist man im Abziehbild aller europäischen Kleinstadt-Fußgängerzonen angekommen. Hier ist nämlich nichts mehr mit Prachtbauten. Hier regiert der Beton.

Wer das nicht erträgt, geht links bei Marks&Spencer einkaufen, oder – wie ich – einfach nur auf die kostenlose Toilette. Verlässt man das Kaufhaus dann durch den Seiteneingang, ist man schon mittendrin. Ähnlich wie die Mall »The Bridge« die halbe Innenstadt von Sunderland durchzieht, streckt in Newcastle »Eldon Square« seine Tentakel in alle Richtungen aus. Wer an einem Regentag in Newcastle ist: Entweder Museum oder hier den ganzen Tag Geld ausgeben.

Ähnliche Artikel

Irgendwann habe ich dann den Ausgang in Richtung Westen gefunden und musste dann nur einmal abbiegen, um direkt in Chinatown zu stehen. Wobei »Town« in diesem Falle hoffnungslos übertrieben ist. Chinatown ist in Newcastle eher eine Chinastreet. Doch wie es sich gehört, gibt es das Eingangstor zum Chinesenviertel natürlich auch hier. Direkt hinter Klein-China stehen dann noch ein paar Reste der alten Stadtmauer.

Dreht man sich an der Stadtmauer dann einmal um und blickt Richtung Norden, hat man direkt den St. James Park vor sich. Das Stadion des Premier-League-Teams Newcastle United liegt – wie viele Stadien in England – mitten in der Stadt. Vor der Fußballarena steht eine Statue von Sir Bobby Robson, englischer Nationaltrainer von 1982 bis 1990 und damit in einer recht erfolgreichen Zeit. Robson ist in Newcastle aufgewachsen und spielte als Jugendlicher für die Magpies (»Elstern« – wie Newcastle United aufgrund der schwarz-weißen Trikots gerne genannt wird). Am Ende kehrte Robson zu United als Trainer zurück.

Noch erfolgreicher als Robson war in Newcastle Kevin Keegan. Der englische Superstar der späten 1970er und frühen 1980er Jahre spielte in Deutschland für den Hamburger SV, aber eben auch zwei Jahre in Newcastle. Nach seiner Karriere als Spieler kehrte er 1992 als Trainer zurück und führte das Team von einem Abstiegsplatz der zweiten Liga bis auf Platz zwei der Premier-League. Die englische Meisterschaft wurde nur um Haaresbreite verpasst. An diesem Tag erinnerte ein großes Meer aus Fahnen, Schals und Trikots an Kevin Keegan, der am 20. Juli 2026 im Alter von 75 Jahren an Krebs gestorben war.

Mein Weg geht von hier direkt runter an den Fluss. Denn auch, wenn Newcastle nicht am Meer liegt, profitiert die Stadt doch auch vom Wasser. Unten am Fluss Tyne liegt ein Viertel rund um Sandhill und Quayside, in dem man am Wasser entlang spazieren kann oder sich einen Platz in einem der vielen Restaurants oder Pubs sucht. Das Gebiet unten am Fluss hat durch die vielen Brücken seinen ganz eigenen Charme. Doch Vorsicht! Wer hier runter läuft, muss hinterher auch wieder hoch. Hier der Tipp: Vergiss die Treppen zurück in die Innenstadt. Über Sandhill, Side und die Dean Street gelingt der Aufstieg ohne Stufen recht entspannt.

Bevor man unten am Fluss ist, kommt man aus Richtung St. James Park vorher noch an der Kathedrale und an der Burg (die namensgebende Castle) vorbei. Sehenswert ist hier die Straßenecke direkt vor der High Level Bridge. Wo Queens Lane und St. Nicholas Street sich kreuzen hat man nämlich nicht nur einen Blick auf die Burg, sondern auch auf die Einfahrt zu Brücke und daneben auf das Bridge Hotel.

Ach ja, und wer soweit gekommen ist, ist am Old George schon vorbei. Der älteste Pub der Stadt besteht seit 1582 und ist allein vom Ambiente einen Besuch wert. Doch man muss schon genau hinsehen, um ihn zu finden, denn der Pub befindet sich in einem Hinterhof, den man am besten über den Cloth Market erreicht.

Unten am Fluss sollte man sich unbedingt das Bessie Surtees House ansehen. Das Gebäude wird bereits 1465 das erste Mal erwähnt und ist damit das älteste in ganz Newcastle. Es gibt Führungen durch das Haus, bei denen man mehr über die Geschichte erfährt. Ich habe aus Zeitmangel darauf verzichtet.

Ich bin dann nämlich die Grey Street noch einmal hoch und hinter dem Royal Theatre in Richtung Grainger Market abgebogen. Die alten Markthallen stecken voller Geschäfte und kulinarischer Angebote und sind tagsüber voll von Leben. Ich kam heute zu spät und es war bereits großer Kehraus. Um 17.30 Uhr sind die meisten Läden zu und auch der Zugang zu den Hallen wird geschlossen. Ich konnte gerade noch durchhuschen, um ein paar Schnappschüsse zu machen.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner