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Drei Tage Edinburgh

Wenn man das erste Mal nach Edinburgh kommt und mit dem Bus (anders ist es nicht zu empfehlen) in die Stadt fährt, um dann an der Princes Street auszusteigen, haut es einen erst einmal um. Blickt man nämlich über den Park, der hier Princes Street Garden heißt, und sieht dort die Altstadt mitsamt Burg am Hang hängen, weiß man, dass man eine ähnlich schöne Stadtlage bisher sehr selten gesehen hat.

Zum Glück, sage ich mir, habe ich hier drei Tage Zeit, um mir alles genau anzusehen. Und da es auf dem Campingplatz in Mortonhall leichte Schwierigkeiten mit dem W-LAN gibt, weiß ich auch, dass ich erst einmal alles sammeln werde, ehe es dann hier in den Blog kommt.

Wie das oft so ist, wenn man in eine neue Stadt kommt, ging es zunächst einfach mal den Touristenströmen hinterher. Und Touristen, das muss man sagen, hat es in Edinburgh wirklich viele! Wirklich sehr, sehr, sehr viele! Und das aus aller Herren Länder.

Am Rande sei hier erwähnt, dass ich bei der Überfahrt von Calais nach Dover noch so dachte: Ach, guck mal an. Sind ja doch viele Deutsche, Franzosen, Belgier und Niederländer, die mit dem Wohnmobil auf die Insel rübermachen. Zwischenzeitlich in Cambridge, Sutton on Sea und Stockton dachte ich so: Wo sind sie denn alle hin mit ihren Motorhomes und den Lenkern auf der linken Seite? Nun, die Antwort lautet: Hier sind sie. Während ich vorher meist der einzige Nicht-Brite auf den Campingplätzen war, herrscht hier die wilde Mixtur aus ganz Europa, die man sonst auch oft sieht. Auch in Edinburgh selbst, hört man mehr Familien, die sich in anderen Sprachen unterhalten als in Englisch.

An meinem ersten Tag habe ich mich von den Touristenströmen also durch die Altstadt treiben lassen. In erster Linie ging es ostwärts, die High Street runter, dann Canongate entlang bis runter zum Palace of Holyroodhouse. Dieser Palast ist der schottische Amtssitz der britischen Königsfamilie. Sprich: Wenn King Charles in Schottland zu tun hat, nächtigt er dort in seinem eigenen Palast. Tja nun, die einen bringen ihr eigenes Zuhause auf Rädern mit, die anderen haben mal eben einen Palast am Ende der Straße. Praktisch für Charlie: Das schottische Parlament trifft sich gleich gegenüber vom Palast. Da kann Eure Majestät dann zur Not also zu Fuß hin und nur über die Straße.

Schön ist das Parlamentsgebäude übrigens nicht. Von außen sieht es eher wie eine überdimensionierte Bushaltestelle aus.

Dafür ist der Rest von Edinburgh umso schöner und zumindest von außen noch so, wie die Leute es vor Jahrhunderten aufgebaut haben. Mit massiven Steinen, rustikal und der Witterung hier im Norden der Insel bestens gewachsen. Auch, wenn man schon zugeben muss, dass man gerade auf der High Street (der Touristenmeile schlechthin) inzwischen eigentlich nur noch Souvenirshops und Restaurants, Cafés oder Bars/Pubs findet.

Wer shoppen will, bleibt bitte tunlichst unten in der Stadt auf der Princes Street oder der Parallelstraße Rose Street. Hier finden sich Modeläden und alles andere, was man zum Shoppen so braucht. Ganz am Ende der beiden Straßen folgt dann in der Leith Street das St. James Quarter – die größte Mall der Stadt. Auch in der Waverley Mall direkt neben dem Bahnhof findet sich viele Geschäfte, um Geld auszugeben.

Rund ums St. James Quarter startet dann auch mein zweiter Tag. Erster Abstecher ist hinter der Mall der Picardy Place. Hier wurde 1859 der Schriftsteller und Arzt Sir Arthur Conan Doyle geboren, der später mit seiner Romanfigur Sherlock Holmes zu Weltruhm kam. Am Platz gibt es heute noch einen Pub, der sich nach dem Schriftsteller benannt hat. Das Geburtshaus von Doyle gibt es nicht mehr.

Vom Picardy Place ging es dann die Leith Street wieder runter und dann scharf links den Berg hoch in Richtung Regent Road. Dort steht ein hässlicher dunkelbrauner Klotz, in dem die schottische Regierung ihren Sitz hat. Viel interessanter jedoch: Schräg gegenüber vom Regierungsbunker geht eine unscheinbare Treppe Richtung Nelson Monument auf den Calton Hill hoch. Und diese Stufen lohnen sich wirklich. Denn ist man oben, wartet nicht nur das Nelson Monument und das National Monument of Scotland auf einen, sondern auch ein sagenhafter Rundblick auf die gesamte Stadt. Egal, ob man auf der einen Seite in Richtung Altstadt hinunterblickt oder auf der anderen Seite in Richtung Hafen und Nordsee: Es verleitet zum tiefen Durchatmen.

Als ich den Puls wieder ruhig hatte, habe ich mich wieder ins Touristengetümmel der Altstadt geschmissen. Dieses Mal ging es die High Street Richtung Westen hoch. Vorbei an St. Giles‘ Cathedral und dann – nein, nicht geradeaus zum Schloss, sondern erst einmal links runter in Richtung Grassmarket. Bunte Häuser und Geschäfte, die allerlei skurrile Dinge anbieten, wartet auf die Menschenmengen. Die Läden sind dabei oft so klein, dass sich Warteschlangen davor bilden, um einen Blick hinein werfen zu können. Unten am Grassmarket kann man bei schönem Wetter bestens draußen sitzen und gut dinieren. Kleiner Tipp: Unbedingt bis zum Ende von Grassmarket vor gehen. Am Ende der Häuser hat man rechts hoch einen tollen Blick auf die Burg.

Von Grassmarket nimmt man dann die Candlemaker Row hoch zum National Museum of Scotland. Wer sich für die Geschichte Schottlands interessiert, ist hier genau richtig. Regentage kann man ohne Probleme komplett in dem Museum verbringen.

Mich hat dann doch mehr das Viertel dahinter interessiert. Die Forrest Road runter folgt nämlich die Universität mit all ihren Vorteilen der Straßenzüge drumherum. Kleine, innovative Food-Geschäfte mit Speisen, die nicht nur schmecken, sondern die man auch bezahlen kann. Und wenn man sich den Bauch vollgehauen hat, geht man noch ein Stück weiter runter und folgt dem Middle Meadow Walk bis runter zu The Meadows. Dies ist ein riesiger Park mitten in der Stadt, in dem garantiert alle, die suchen, ihren Platz finden.

Ich gehe von hier wieder Richtung Norden, durchquere noch einmal die Altstadt, um den Bus zurück zum Campingplatz zu nehmen.

Der dritte Tag wurde dann – wenn man so will – zum Tag der Enttäuschungen. Zunächst einmal, weil es erstens meist anders kommt und zweitens, als man denkt. Denn niemals wäre ich auf die Idee gekommen, für die Burg so weit im Voraus meinen Eintritt zu buchen, wie es das unter dem Strich nun gebraucht hätte. Denn an den drei Tagen, an denen ich hier war: Keine Chance. Alles ausgebucht. Die Massen strömen, nur der dumme Paul steht vor dem Eingang und kommt nicht rein. Also: Kommst Du jemals nach Edinburgh und willst die Burg von innen sehen, unbedingt mindestens eine Woche vor dem Urlaub die Eintrittskarten buchen.

Schade war und ist dann auch dieses komische, provisorische Stadion, das irgendwelche Leute direkt vor der Burg aufgebaut haben. All abendlich gibt es hier Veranstaltungen und ja, irgendwo müssen die Zuschauer ja hin. Aber muss das hier mitten im mittelalterlichen Ensemble so eine hässliche Stahlrohrkonstruktion sein? Kann man das nicht irgendwie kaschieren und in die Umgebung einbauen? So jedenfalls ruiniert es ab einem gewissen Punkt so ziemlich jedes Fotomotiv, wenn man sich der Burg über Lawnmarket und Castlehill nähert.

Viel eher als bei der Burg hätte ich bei den Führungen durch den Untergrund von Edinburgh damit gerechnet, kurzfristig keine Tickets mehr zu bekommen. Was hatte ich vorher nicht alles an Spektakulärem über die Tunnel unter der Altstadt gehört. Doch siehe da: Gar kein Problem. Um 13.30 Uhr online gebucht, um 14 Uhr ging die Tour los – mit drei Leuten.

Schön, dachte ich, eine kleine Privatführung. Doch schon bald sollte ich dann auch wissen, warum diese Führung keineswegs überlaufen ist. Denn ganz ehrlich: Was nun folgte, war definitiv enttäuschend.

Insgesamt dauerte die Tour eine Stunde. Die ersten 20 Minuten bewegt man sich noch über der Erde und dann geht es in den Untergrund. Denkt man zumindest und wundert sich dann, dass es erst einmal eine Wendeltreppe nach oben geht. Dies hat jedoch mit der Lage der Altstadt zu tun. Diese liegt nämlich oben auf einem Hügel und wenn man sich zuerst nach unten begibt in die Cowgate, kann es dann auch wieder bergauf gehen und man ist noch immer unterhalb der High Street.

So weit so gut. Doch was dann am oberen Ende der engen Wendeltreppe auf einen wartet, ist dann schon recht enttäuschend. Im ersten Raum hängen drei Schaukästen mit verrosteten Folterinstrumenten. Die kann man sich angucken. Und man erfährt etwas darüber, wie die Instrumente einst im Nebenraum einer Wohnung zufällig gefunden werden. Mehr erfährt man nicht.

Stattdessen wird man in einen etwa 50 Meter langen Schacht geführt, der ordentlich dunkel ist, ansonsten aber auch nicht anders aussieht als der Keller unter jedem Berliner Altbaugebäude. Und natürlich werden dazu ein paar Gruselgeschichten erzählt. Darüber, wie die Menschen früher in diesen Gängen lebten. Dass es gestunken haben muss, dass es unhygienisch war und dass Verbrechen an der Tagesordnung waren. Spannend, kann ich nur sagen. Klingt irgendwie nach Mittelalter.

Zu den Erzählungen gibt es dann noch einen Raum, in dem ein Fass steht. Und einen Raum, in dem ein paar alte Glasflaschen rumstehen. Und ein Stuhl. Und ein Kreis aus Steinen, den man besser nicht betreten solle, denn in diesem Kreis wohne das Böse.

Als Highlight gibt es dann noch einen Raum mit einem Hexenkreis, den man sich zumindest durch Gitterstäbe ansehen kann. Dieser Hexenraum wurde bis 2014 wirklich noch so benutzt. Es fanden Hexenrituale statt, es wurden Hexenhochzeiten gefeiert und erst als der alte Hexenmeister dann starb, wurde abgeschlossen und seitdem hat nie wieder ein Mensch den Raum betreten.

Und das war es dann. Vierzig Minuten seltsame Geschichten in irgendwelchen Kellerräumen, die nicht mal welche sind. Denn streng genommen befindet man sich noch nicht einmal im Untergrund, sondern lediglich im Inneren der South Bridge, die irgendwann Ende des 18. Jahrhunderts als Verbindung der High Street mit dem Süden Edinburghs fertiggestellt wurde.

Das Ganze kostet dann 20 britische Pfund und um ehrlich zu sein: Die Unterwelt unter Nottingham ist mit weitem Abstand sehr viel spannender.

Nun kann es natürlich sein, dass ich an den falschen Anbieter geraten bin. Denn natürlich gibt es gleich mehrere Anbieter und der Guide gab auch unumwunden zu, dass es wohl mehrere Gewölbe-Systeme gebe, die unterschiedliche Eigentümer haben. Doch wenn man bei der Stadt Edinburgh selbst bucht, dann erwartet man schon ein wenig Mühe und nicht so lieblos dahin geklatschtes Inventar.

Nach der Führung hieß es für mich dann langsam Abschied zu nehmen und wie bestellt öffneten sich dann auch die Himmelschleusen mal wieder. Als wollten sie ihre Traurigkeit zum Ausdruck bringen, dass ich morgen nun weiterziehe. Doch keine Sorge, Edinburgh: Wenn es mir möglich ist, komme ich bestimmt wieder. Und dann buche ich die Burg rechtzeitig, lasse die komische Führung durch die Altbaukeller weg und alles ist gut.

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