Die Hafenstadt Sunderland

Heute bin ich Zug gefahren. Stockten-on-Tees hat zwar nur einen sehr kleinen Bahnhof mit gerade mal zwei Gleisen, die Anbindung an die größeren Städte in der Umgebung sind dennoch bestens gegeben. Also Ticket gebucht und etwa eine halbe Stunde später war ich in Sunderland. Bei einem Ticketpreis von gerade mal 5,70 Pfund kann man da echt nicht meckern. Allerdings muss man bei der Fahrerei ein wenig flexibel sein, denn genau wie bei der Deutschen Bahn sind auch hier in England die Fahrscheine unterschiedlich teuer. Die günstigsten Fahrten zwischen Stockton und Sunderland sind für drei Pfund zu bekommen, finden dafür aber meistens früh morgens oder spät abends statt. Für ein Ticket mit voller Flexibilität und ohne Zugbindung zahlt man 13 Pfund.
Genau wie zu Middlesbrough habe ich auch nach Sunderland durchaus eine Beziehung. Denn in der Tat war ich schon einmal in der nordenglischen Stadt. Allerdings kann ich heute nicht mal mehr genau sagen, wann das gewesen ist. Irgendwann Mitte der 1990er Jahre – so viel kann ich sagen. Also im Grunde ziemlich genau 30 Jahre her.


Was sich seitdem in Sunderland verändert hat? Keine Ahnung. Denn der Trip damals hat nur wenige Tage gedauert und was ich noch weiß: Es wurde viel gefeiert. Dafür liegen viele andere Dinge heute tatsächlich im Dunkel meiner Gehirnwindungen verborgen. Nun zumindest kann ich mich an den Anlass der damaligen Reise noch erinnern. Meine damalige Mitbewohnerin in der WG in Koblenz absolvierte ein Auslandssemester in Sunderland und das ging natürlich nicht, ohne dass sie Besuch bekam. Und so machten sich eine Freundin und ich damals auf den Weg. Zuerst für ein paar Tage nach London und dann weiter mit Zug nach Sunderland.
Streift man heute durch die Stadt, ereilt einen schnell das gleiche Gefühl wie in vielen anderen englischen Städten. Ganz schon viel Leerstand und eine ordentliche Menge an Bruchbuden. Und trotzdem ist Sunderland irgendwie auch anders. Denn Sunderland hat den Vorteil, dass es am Wasser liegt – genau genommen direkt an der Nordsee. Und allein das wertet eine Stadt ja schon immer ungemein auf. Man kann am Wasser spazieren gehen, es gibt mindestens einen Hafen, meist sogar zwei – der, in dem gearbeitet wird und der, in dem die schönen Boote liegen. Und ja, so ist es auch in Sunderland.


Bis raus zum Roker Pier bin ich gelaufen. Ein Pier, das insofern besonders ist, weil man nicht etwa oben auf der Mole in Wind und Wetter die etwas mehr als 600 Meter bis zum Leuchtturm zurücklegen muss, sondern dies gut geschützt in einem Tunnel tun kann, der in der Piermauer verläuft. Der wunderschöne, in rot-weiß gehaltene Leuchtturm wurde seit seiner Entstehung Anfang den 20. Jahrhunderts nicht mehr verändert.
Vom Pier ging es zurück in Richtung Innenstadt, aber natürlich nicht, ohne am »Stadium of Light« vorbeizugehen. Dort trägt der Sunderland AFC seine Heimspiele in der Premier-League aus und konnte als Neuling in der höchsten englischen Spielklasse am Ende der Saison einen mehr als ehrenwerten siebten Platz feiern. Damit geht es für Sunderland in der nun anlaufenden Saison auch international in der Europa League zur Sache.


Das Stadtzentrum von Sunderland wird dominiert vom Einkaufszentrum (neudeutsch: Mall) »The Bridge«. Hier findet man die Filialen der üblichen Bekleidungsketten, ordentlich zu essen und eben alles, was das Shopping-Herz sonst noch so begehrt. Kleinere Geschäfte findet man sonst noch in der Blandford Street.
Dass Sunderland nicht nur den Vorteil nutzt, dass es am Meer liegt, sondern auch selbst mit anpackt, merkt man dann hinter dem Sunderland Minster in Richtung Empire Theatre. Dort ist mit der Fire Station bereits ein Kulturzentrum mit Live-Arena entstanden und direkt gegenüber liegt eine Großbaustelle, auf der sich die Stadt ebenfalls herausputzt.






















