An der britischen Nordseeküste

In kaum einem anderen Land Europas ist es am Meer derart einfach, melancholische Bilder zu schießen, wie in Grmoßbritannien. Und das liegt gar nicht am viel zitierten Wetter oder gar an der Landschaft. Das Meer und die Landschaft drumherum ist in England genauso schön wie in allen anderen Ländern am Meer auch.
Es ist das, was man daraus macht und da sind die Briten ganz einfach unerreichte Spitze, was den leichten Hauch von Melancholie angeht. Denn ein Seebad in England ist nicht einfach nur schöne Häuser, gemütliche Gaststätten und möglichst viel Natur. In Großbritannien braucht es zum Glücklichsein mindestens eine heruntergekommene Bar und nebenan eine Spielhalle. Und wenn dann noch ein kleiner, schäbiger Rummelplatz irgendwo in der Nähe, dann lässt es sich den Sommer über in einem der unzähligen Trailerpark aushalten.


Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich liebe diese spröde Schönheit, bei der es oft einfach um die Funktion geht und nicht um irgendwelchen Firlefanz, der die ganze Sache kitschig werden lässt. Kommt dann noch dieses „ein wenig in die Jahre gekommen“ dazu, sind wir für mich schon kurz vor dem melancholischen Höhepunkt. Erlebt habe ich das vor drei Jahren in Blackpool an der Westküste Englands. Überall war der Lack abgeblättert und die Leute, die auf ihren Holzbänken vor ihrem Pint in die Leere starrten, schwelgten in Zeiten, als die Spielhallen noch neu und gut besucht waren und das Touristengeschäft noch so richtig brummte.


Hier an der britischen Nordseeküste habe ich dieses Gefühl wieder gefunden. Dieses Gefühl, dass die besten Zeiten vorbei sind und nicht wiederkommen werden. Und genau weil das so ist, amüsieren wir uns bis dahin eben die Seele aus dem Leib, weil die Trostlosigkeit des eigenen Daseins sonst gar nicht auszuhalten wäre.


Zwischen Mablethorps und Ingoldmells war ich heute mit dem Fahrrad unterwegs. 30 Kilometer hin, 30 Kilometer zurück. Landschaftlich wunderschöne Wege zum Fahrradfahren. Zum Teil zwar am Rand enger Landstraßen, doch es war wenig Verkehr und die Autos hielten sich daran, auf den engen Straßen nicht zu schnell zu fahren. Und dann waren da noch die Strandwege, an den vielen kleinen Strandhäuschen entlang. Auch die haben ihre besten Zeiten längst hinter sich, stehen größtenteils leer und verfallen. Auch der Weg scheint wie ein Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg. In grobem Beton hinter den Strand geklatscht, immer so, dass es Schutz gibt, falls der Feind von der Nordsee her einfallen würde. Gemacht wurde an den dicken Betonwegen seit damals nichts. Sie erfüllen ihren Zweck. Mit dem Fahrrad oder zu Fuß kann man hier sehr lange unterwegs sein, ohne einer anderen Menschenseele zu begegnen.




















