CDU und Familie passt halt nicht
Es hat dann doch schon einen gewissen ironischen Beigeschmack, dass Jens Spahn mit seinem Rücktritt als CDU-Fraktionschef ausgerechnet über ein Familienthema stolpert. Zusammen mit seinem Ehemann hat er eine Leihmutter in den USA ein Kind austragen lassen. Ein Vorgehen, mit dem Spahn kein deutsches Gesetz gebrochen hat und das doch trotzdem in Deutschland so nicht möglich gewesen wäre. Denn Spahn selbst hatte mit seiner Partei noch im Februar 2025 dagegen gestimmt, dass die Vermittlung von Leihmüttern in unserem Land nicht mehr unter Strafe gestellt wird. Und auch Ärzte, die in Deutschland eine Leihmutter medizinisch betreuen, machen sich in Deutschland strafbar, weil die CDU es so will.
Und so ist es eben ausgerechnet ein Familienthema, das die CDU in die Bredouille bringt. Wo Familie den Konservativen doch so wichtig ist. Tut mir leid, wenn ich da eine gewisse Schadenfreude nicht verbergen kann. Zeigt sich in diesem Fall doch mehr als deutlich, dass die verquasten und veralteten Ansichten so mancher Christdemokraten mit dem echten Leben der heutigen Zeit nicht mehr viel gemeinsam haben. Das gilt übrigens nicht nur für die Familienpolitik.
Für Spahn ist die eigene Doppelmoral nun zum Stolperstein geworden. Er hat es verpasst, sich im Februar zu Wort zu melden, denn zu dem Zeitpunkt wird die Leihmutter bereits schwanger gewesen sein und Jens Spahn um seine bevorstehende Vaterschaft gewusst haben. Doch statt offen und ehrlich mal auf den Tisch zu klopfen, hat er gekuscht und den Mund gehalten. Er war ja schließlich nicht betroffen, denn er konnte es sich leisten, das Kind in den Vereinigten Staaten austragen zu lassen. Wie es den vielen Menschen in unserem Land geht, die vielleicht genau diesen Wunsch nach einer Familie hätten, es sich aber schlichtweg nicht leisten können, scheint dem Herrn Politiker egal zu sein.
Wundert es dann noch, wenn die Menschen sich abwenden? Wenn sie sehen, dass die Anzugträger Wasser predigen, aber Wein in Hülle und Fülle saufen?!
Jens Spahn schien bisher ein Politiker, dem so gut wie nichts etwas anhaben kann. Die Maskenaffäre zu Corona-Zeiten. Die gescheiterte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Seine guten Kontakte zu rechtsextremen Vordenkern. All das ist an Jens Spahn abgeprallt, als habe er ein unsichtbares Schutzschild. Gestolpert ist er nun etwas, das niemand mit halbwegs gesundem Menschenverstand als nur annähernd so schlimm empfindet, wie die vorherigen Vergehen. Soll er doch Vater eines Kindes einer Leihmutter werden. Wer will einem Menschen schon verbieten, glücklich zu werden?
Nun, Jens Spahn hat es mit seiner Partei getan – im Februar. Und deshalb gebührt seinem Rückstritt auch kein Respekt, wie ihn viele Politiker nun heute eilig formuliert haben, sondern ein kräftiges und lautes: »Ätsch! Selbst schuld!«



