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Amsterdam – Berlin – Amsterdam

Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen… sagte der deutsche Dichter Matthias Claudius schon 1786 in seinem bekannten Gedicht »Urians Reise um die Welt«. Wenn einer eine Reise tut, dann sollte er aber auch an alles denken… nur, das sagt einem leider niemand! Und so war ich am Montag dann erst einmal sauer auf mich selbst. Nein, nicht nur sauer, richtig wütend. Ohrfeigen hätte ich mich können. Wie kann man so dumm sein…???? So selten dämlich…???

Dabei war ich am späten Montagnachmittag eigentlich noch guter Dinge. Gerade in Amsterdam angekommen, Wohnmobil auf einem schönen Campingplatz unweit der Innenstadt und doch wundervoll idyllisch am Wasser geparkt und im Grunde voller Tatendrang für die nächsten zwei Tage.

Das Wetter passte, die Kamera war geladen und ich überlegte schon, ob ich nicht den Abend schon nutzen sollte, um mal Richtung Grachten aufzubrechen.

Welchen Weg sich meine Gedanken dann gesucht haben, kann ich heute eigentlich gar nicht mehr sagen. Denn statt zwei Tage Amsterdam habe ich nun gerade einen Kurztrip nach Berlin hinter mir. Am gestrigen Dienstag mit dem Flixbus hin – zehn Stunden Autobahn, ganz toll. Am heutigen Mittwoch nun wieder zurück – zuerst mit dem Flixtrain bis nach Hannover. Dort dann in dieser wunderschönen Stadt zwei Stunden Aufenthalt und jetzt gerade sitze ich wieder im Flixbus, irgendwo in den Niederlanden kurz vor Amsterdam. Der Bus hat über eine Stunde Verspätung, aber wenn dieser Text erst einmal online steht, ist dies ein Zeichen dafür, dass ich gut wieder an meinem Wohnmobil angekommen bin.

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Und warum das Ganze? Weil die blöden Briten vor ein paar Jahren die großartige Idee hatten, aus der EU auszutreten. Und weil man seitdem eben wieder einen Reisepass benötigt, um auf die Insel reisen zu dürfen. Und ja, Ihr könnt es Euch denken: Weil mir Montagabend in Amsterdam siedend heiß eingefallen ist, dass der blöde Pass noch in Berlin liegt – und zwar in der Schublade, in die er hingehört und aus der ich ihn vor Wochen nur kurz rausgeholt hatte, um mein elektronisches und natürlich kostenpflichtiges Visum für das United Kingdom zu beantragen. Danach ist der Pass wieder in der Schublade gelandet und da lag er nun.

Der erste Gedanke war natürlich: Deutsches Konsulat. Aber Pustekuchen. Nächster Termin in Passangelegenheiten beim deutschen Konsulat in Amsterdam? Mitte August…. Ausnahmen nur bei Verlust des Passes durch Diebstahl oder andere widrige Umstände, zu denen Dummheit, Schusseligkeit oder einfach Vergesslichkeit leider nicht gehören. Zudem hätte ich im Fall des Verlustes zuerst zur Polizei gehen müssen und soweit wollte ich dann doch nicht gehen, dass ich den niederländischen Beamten etwas vom Verlust des Reisepasses vorflunkere. Zumal das Konsulat auch im Verlustfall darauf hinwies, dass es bis zu einer Woche dauern könne, ehe ein Ersatzpass ausgestellt werden könne. Das war mir dann auch einfach zu lang, denn schließlich soll es am morgigen Donnerstag nach Antwerpen weitergehen und am Samstag dann auf die – bereits bezahlte – Fähre nach England.

Also musste eine andere, eine kurzfristigere Lösung her. Und die hieß eben: Ochsentour. Dienstag früh um fünf Uhr aufstehen, denn um 6.30 Uhr ging der Bus. Und nun werde ich dann am heutigen Mittwoch wahrscheinlich kurz vor 19 Uhr wieder in Amsterdam sein. Flixbus sei dank für nur knapp 70 Euro.

Und ja, mit der Deutschen Bahn wäre es direkter, bequemer und schneller gegangen… aber eben auch sehr viel teurer. Bei derart kurzfristigen Buchungen greift die Deutsche Bahn tief in die Tasche und wollte für Hin- und Rückfahrt knapp 400 Euro haben. Da wäre ja fliegen fast noch günstiger gewesen. Hier wäre ich mit rund 450 Euro dabei gewesen – hätte allerdings über Kopenhagen fliegen müssen.

Also versuche ich mir nun seit gestern einzureden, dass ich ja froh sein könne, dass es so kurzfristig überhaupt noch geklappt hat mit dem Pass. So ganz gelingt mir das noch nicht. Dazu ist die Wut auf mich selbst noch viel zu groß. Zumal ich vorab schon ahnte, dass etwas schief gehen könnte. Zu viele Dinge noch im Kopf, die Liste in den letzten Tagen vor Reisebeginn Stück für Stück abgearbeitet – nur eben vergessen, den Pass auf die Liste zu schreiben. Fuck! Fuck! Fuck! Und nochmal Fuck! Das kommt davon, wenn der Kopf eben irgendwann überläuft.

Und so sitze ich jetzt eben im Flixbus, etwa eine Stunde vor Amsterdam und tippe diesen Text in mein Handy. Ich schaue aus dem Fenster, sehe die flache Landschaft der Niederlande an mir vorbeiziehen und denke: Wenn jemand eine Reise tut….

Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass der Urlaub dann spätestens ab morgen in Antwerpen so richtig losgehen kann. Und versprochen: Dann gibt es auch wieder Bilder aus schönen Städten….

P.S. Die drei Bilder hier unten zeigen: Gut wieder in Amsterdam gelandet. Das letzte Bild zeigt den Campingplatz.

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