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Ein Sonntag in Goslar

Es ist weithin bekannt, dass es im Harz nicht nur viel (und leider ziemlich kranken) Wald gibt, sondern auch zauberhaft anmutende Kleinstädte, die mit engen Gassen, schönen Fachwerkhäusern und pittoresken, aus der Zeit gefallenen Altstädten locken. Quedlinburg oder auch Wernigerode sind hier die Paradebeispiele. Und eben auch Goslar. Allesamt sind die Altstädte inzwischen Unesco-Welterbe – sollen der Nachwelt also unbedingt als Zeugnis früherer Zeiten erhalten bleiben. Und so fühlt es sich eben auch an: Wie ein moderner Spaziergang durchs Mittelalter. Außerhalb des Harz vielleicht noch in Rothenburg ob der Tauber oder Dinkelsbühl erlebbar, aber darüber hinaus wird es schon knapp. Der verdammte Krieg ist schuld. Wie würde Deutschland aussehen, wenn es im zweiten Weltkrieg nicht zum selbstverschuldeten Schlachtfeld geworden wäre?

Wir werden es nicht mehr erfahren, denn die ein oder andere Bausünde hat heutzutage natürlich auch mit dem Krieg nichts mehr zu tun. Und wo wir gerade bei Bausünden sind, sind wir dann auch in Goslar. Gibt es in Quedlinburg und/oder Rothenburg o.d. Tauber nämlich ganze Straßenzüge und Marktplätze, die aussehen, als seien sie der Zeit entsprungen, mischen sich in Goslar mitunter immer wieder Bausünden ins Motiv. Auf der einen Seite schön und original – auf der anderen Straßenseite: Schnöder Beton.

Zum Glück kann man mit der Kamera ausblenden, nur das fotografieren, was auch wirklich aufs Foto soll und die Hässlichkeit jenseits des linken und rechten Randes ausblenden. Und ja, der Marktplatz (Hauptmarkt?) bietet auch unverbaute Ansichten. Trotzdem bleibt der Eindruck der Auszüge. Wunderschöne Altstadt und sterbende Innenstadt – hier geht es Hand in Hand. Man könnte also meinen: Besuchen Sie Goslar, solange es noch steht.

Doch so ist es natürlich nicht. Goslar bietet schöne Ecken. An diesem Sonntag war dies besonders deutlich zu sehen. Am Vormittag war es bedeckt und regnerisch. Ende März und gerade mal acht Grad Celsius. Alles andere als ein Wetter, um vor die Tür zu gehen. Und das merkte man auch. Die Stadt war menschenleer. Im Grunde tot und trostlos. Grau in Grau.

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Zum frühen Nachmittag setzte sich dann jedoch die Sonne durch. Die Wolken verschwanden und es wurde Licht. Nicht unbedingt viel wärmer, doch auf jeden Fall mehr Menschen. Und schon wirkte die Stadt sehr viel freundlicher. Und das selbst mir, der ja nun eigentlich nicht unbedingt als direkter Menschenfreund bekannt ist.

Nun saßen sie überall vor den Cafés und genossen die Sonnenstrahlen, dick eingemummelt in den Wintermantel, weil der heilige Osram dort oben eben noch nicht die nötige Kraft entwickelte. Doch egal: Einen Spaziergang ist Goslar auf jeden Fall wert. Sie geben sich ja Mühe und die Bratwurst am Markt ist in der Tat sehr lecker. Ansonsten sollte man sich die Kaiserspfalz nicht entgehen lassen, auf dem Markt das gotische Rathaus und Kaiserworth, sollte auch den Weg runter zum Breiten Tor nicht scheuen und sich vom Siemenshaus beeindrucken lassen. Das Stammhaus der Unternehmerfamilie beeindruckt in der Tat schon allein aufgrund seiner Größe – und ist zudem wirklich ein wunderschönes Haus.

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