
Es gibt Augenblicke, die kommen nicht von selbst. Meilensteine, auf die man hinarbeiten muss. Man malt sie sich aus, plant sie. Und wenn sie konkreter werden, freut man sich auf sie, hat vielleicht auch ein bisschen Angst vor ihnen. Und wenn sie endlich da sind, sind sie plötzlich schon wieder vorbei. So schnell, dass man kaum hinterherkommt. Und manchmal so unscheinbar, dass man sich fragt, ob das jetzt wirklich dieser eine große Moment war.
Denn solche Augenblicke lassen sich schwer definieren. Es gibt keinen lauten Gong, keinen Knall, kein Feuerwerk, keinen roten Vorhang oder Teppich. Und trotzdem weiß man: Das hier ist es. Das ist gerade etwas ganz Großes.
Für mich war so ein Augenblick, als ich zum ersten Mal das Vinyl von Rabatzke in Händen hielt. Ein Kindheitstraum, die eigene Langspielplatte. Plötzlich greifbar. Das Cover aus Pappe, dazu das farbig gestaltete Inlay und die Platte selbst aus kupferfarbenem Vinyl. Dazu das Ungreifbare: Die zwölf Lieder, die wir als Band geschrieben, verfeinert und aufgenommen haben. Das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, das es vorher nicht gab. Etwas, das bleiben kann.
Zweieinhalb Jahre Arbeit stecken darin. Unzählige kleine Schritte, Zweifel, Entscheidungen, Rückschläge, Durchhalteparolen und am Ende dann die Vorfreude. Ein riesengroßer Augenblick, diese Platte in meinen Händen.
Der nächste Moment zum Innehalten kam dann letzten Freitag mit der Veröffentlichung. Nicht dieser eine Augenblick, an dem die Glocke schlug, sondern vielmehr das Wissen: Jetzt ist es draußen, das Album. Die Leute können es sich anhören, können es kaufen.


Während sich für mich innerlich eine ganze Welt bewegte, ging der Alltag für alle anderen weiter. Menschen starteten in den Tag, gingen zur Arbeit, beantworteten Nachrichten. Für meine Bandkollegen und mich war die Veröffentlichung ein Meilenstein. Für die meisten anderen vermutlich ein Tag wie jeder andere.
Das ist vollkommen in Ordnung. Die Welt kann nicht bei jedem unserer großen Augenblicke stehen bleiben. Aber vielleicht haben wir ein bisschen verlernt, sie überhaupt wahrzunehmen: die Dinge, auf die jemand jahrelang hingearbeitet hat, die Nachricht, die für einen Menschen alles bedeutet, während sie für andere nur eine unter vielen ist.
Wie oft erzählen wir etwas, ohne wirklich zu begreifen, was es für den anderen bedeutet? Wie oft teilen Menschen einen ihrer größten Augenblicke mit uns, ohne dass wir seine Bedeutung erkennen?
Vielleicht müssen wir wieder lernen, genauer hinzusehen, nachzufragen und uns mitzufreuen. Nicht, weil wir alles verstehen müssen, sondern weil wir anerkennen können, dass etwas für einen anderen Menschen von unschätzbarem Wert ist. Große Augenblicke sind nicht immer laut. Manchmal passen sie in einen einzigen Satz, in einen geöffneten Karton oder eben auf eine Langspielplatte, die man zum ersten Mal in den Händen hält.
Und vielleicht ist das Schönste daran, dass ein solcher Moment nicht wirklich vorbei sein muss, nur weil der Augenblick selbst vorübergeht. Aus ihm kann etwas entstehen, das bleibt: eine Erinnerung, ein Lied, eine Melodie, die einen begleitet.
Für meine Band und mich war diese Platte ein riesengroßer Augenblick. Jetzt möchten wir ihn mit anderen teilen. Nicht, damit alle dasselbe fühlen wie wir, sondern weil wir hoffen, dass die Musik auch in ihnen etwas auslöst.
Vielleicht wird sie für Dich zu einem ganz eigenen Moment. Vielleicht dauert er drei Minuten, vielleicht einen ganzen Abend. Vielleicht begleitet er Dich über Wochen, Monate oder Jahre. Vielleicht wird aus meinem kurzen, großen Augenblick für Dich ein großer, langer Begleiter. Und wenn das passiert, dann ist dieser Moment noch lange nicht vorbei.
Gute Laune und Randale, erschienen am 16. Oktober 2026 bei Abbruch Records, gibt es auf Vinyl, als CD und auf Tape. [HIER BESTELLEN]





