Die Menschen von Paris

Einen kurzen Nachtrag zu meiner Paris-Reise hätte ich da noch. Denn immer wieder werde ich gefragt, warum es mich bei meinen Reisen so oft auch in die großen Städte zieht. Schließlich sei ich sonst ja doch eher jemand, der anderen Menschen aus dem Weg geht und seine Ruhe haben will.
Ich antworte dann gerne, dass das eine mit dem Anderen doch gar nichts zu tun hat. Schließlich lebe ich ja auch in einer Großstadt und am Ende hat es immer mit der Qualität der Menschen zu tun, die man um sich herum hat.
In großen Städten hat man die Auswahl und wer ein wenig sucht, wird sie finden. Die Menschen, die noch fähig sind, ihren Kopf zu gebrauchen und dabei dem Herzen die Kontrolle überlassen. Menschen, denen die Menschlichkeit an erster Stelle steht, die Geschichten zu erzählen haben, weil sie leben und nicht im Mitleid über das eigene Dasein dahinsiechen. Menschen, die die Schuld für das eigene trostlose Dasein nicht bei Anderen suchen, sondern nach Lösungen und Wegen suchen, dem Hamsterrad des Alltags zu entkommen.


Auf meinen Reisen – nicht nur mit dem Wohnmobil – war ich nicht nur in großen Städten. Im Gegenteil: Auch die ganz kleinen Dörfer habe ich gesehen. Dort, wo um 20 Uhr der Bürgersteig hochgeklappt wird. Dort, wo man den ganzen Tag niemanden auf der Straße trifft und wo selbst am Abend niemand zu Hause scheint, weil das Wohnzimmer immer nach hinten raus geht und die Häuser von vorne alle dunkel sind.
Nun mag es Menschen geben, die das ganz toll finden, wenn man sich am Wochenende auf dem Sportplatz trifft und einmal im Jahr im Gemeindehaus einen Weihnachtsbasar veranstaltet. Wenn man die Nachbarn alle kennt und beim samstäglichen Rasenmähen alle paar Minuten unterbrochen wird, weil doch mal jemand unterwegs ist und alle für einen kurzen Smalltalk stehen bleiben.
Ich gehöre nicht zu den Menschen. Mir ist die Auswahl dann schlichtweg nicht gegeben. Alle sehen gleich aus, alle erzählen sie dieselben, langweiligen Geschichten. Denn Menschen, die nur Menschen um sich herum haben, die sie kennen, mögen oft das Fremde nicht. Und fremd wäre ich ihnen, je mehr sie mich kennenlernen würden.


Also stürze ich mich eben lieber in das Getümmel der Großstadt. Mitschwimmen in der Anonymität, untergehen in der Masse. Die Rosinen herauspicken, die interessant scheinen, auf den Auslöser drücken. Dann einfach weitergehen. Mit ein bisschen Glück genau den Moment einfangen, der Aufmerksamkeit erregt. Und das, ohne selbst für Aufmerksamkeit gesorgt zu haben. Herzlichen Glückwunsch, denn in der großen Stadt gelingt dies. Aber man stelle sich nur mal vor, dort auf dem Dorf ist Feuerwehrfest und irgendwo zwischen all den Menschen und Nachbarn, die man so gut kennt, läuft plötzlich jemand mit Kamera rum. Jemand, den man gar nicht richtig kennt und der noch dazu die Frechheit besitzt und Fotos macht.
Ein Hoch also auf die Menschen in Paris und in all den weltoffenen Städten dieser Welt. Ein Hoch auf all die Menschen, denen das Fremde keine Angst macht, sondern Interesse weckt. Ein Hoch auf eine Gesellschaft, in der Herkunft, Hautfarbe oder sonstige zu vernachlässigende Merkmale nichts zählen. Ein Hoch auf die Menschlichkeit. Auf Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit! Und auf schöne Fotos schöner Menschen!




















































