Fünf Tage in Paris – Tag vier: Der enttäuschende Berg

Das Highlight sollte bis zum Schluss warten – nicht unbedingt nach dem Motto, dass das Beste ja immer zum Schluss kommt, sondern vor allem, weil für den Dienstag nach Ostern durchgehender Sonnenschein mit Temperaturen bis zu 23 Grad Celsius angesagt waren. Und tatsächlich: Der Wetterbericht hielt, was er versprochen hatte und während ich vor etwas mehr als einer Woche in Goslar noch mit dicker Jacke frieren musste, war nun heute der erste Tag des Jahres für T-Shirt und kurze Hose.


Doch während der Wetterbericht ohne Einschränkungen lieferte, bin ich in Sachen Montmartre mehr als zwiegespalten. Ja, in der Tat: Das Viertel liegt dort wunderschön am Hang und die engen Gassen und die Steigungen und Treppen tun ihr Übriges. Pittoresk ist es ja und die vielen Cafés und Restaurants laden ohne Zweifel zum Verweilen ein – zumindest bis auf halbe Höhe in der Rue Gabrielle.
Spätestens jedoch oben auf dem Berg und damit rund um Sacre Coeur gleicht der Stadtteil eher einem Disneyland als einem Künstlerviertel. Menschenmassen ziehen durch die Gassen, umfallen kann man hier nicht. Die Rue de la Chevalier de la Barre, der Place Jean Marais und der Place du Terte mögen früher wunderbare Rückzugsorte für Künstler und Künstlerinnen gewesen sein. Heute sind sie überfüllte Touristenfallen, die zwar noch immer einen gewissen Charme versprühen, doch jedes halbwegs sensible Herz allein durch den Lärm und die Menschendichte ganz schnell verscheuchen.


Spätestens, wenn man am Südende des Place du Terte die gesammelten Künstlerstände sieht, kommt einem im Grunde das kalte Kotzen. Die alten Damen und Herren, die hier Portraits, Aquarelle oder Karikaturen anbieten – ein harter Broterwerb für all die, die den Stift oder Pinsel zwar durchaus schwingen können, jedoch am Ende nur das produzieren, was der angereiste Mainstream aus aller Herren Länder sich gerne ins eigene, biedere Wohnzimmer hängt.
Es mag sie vereinzelt in Montmartre noch geben – die Ateliers und Galerien, die sich dem Künstlerischen verschrieben haben und die Fahne der Kreativität in den Pariser Himmel halten. Diese in all dem Trubel noch zu finden, bedarf eines wachen Auges und gut funktionierender Antennen.


Durch die Massen an Menschen dauert der Rundgang durchs Stadtviertel sehr viel länger als normalerweise und die ein oder andere Ecke mag durchaus verzücken. Bei der Echtheit des Präsentierten sollte jedoch mindestens genau so viel Vorsicht an den Tag gelegt werden wie bei Fragen nach der Verlässlichkeit eines gewissen US-Präsidenten, der sich gerade wankelmütig durch seine zweite Amtszeit schlängelt.
Und ehe es jetzt hier wieder politisch wird. Ja, Montmartre sollte man sich ansehen. Allein schon, um zu sehen, wie es nicht geht. Zu viel ist einfach zu viel. Das musste man in Berlin Prenzlauer Berg auch schon schmerzhaft erfahren. Und in Montmartre leben inzwischen mit Sicherheit auch nur noch Menschen, die mit ihrer Adresse angeben wollen.





























