Fünf Tage Paris – Tag drei: Zwei Museen und ein Gotteshaus

Dritter Tag in Paris und es zog uns wieder auf die Touristenpfade. Die vielen Menschen in Kauf nehmend ging es bei der berühmten Glaspyramide los. Dort, wo sie vor nicht allzu langer Zeit mit der Bauleiter und dem Lieferwagen vorgefahren sind, um irgendwelche Juwelen zu klauen.
Zweiundzwanzig Euro soll der Louvre Eintritt kosten – für EU-Bürger. Für Menschen, die nicht aus der EU kommen, sind es sogar noch zehn Euro mehr. Und es schießt mir durch den Kopf: Wie vereinbart man diese Preispolitik eigentlich mit all den Gleichheits- und Anti-Diskriminierungsgesetzen, die die EU sich so gerne auf die Fahne schreibt?! Sieht man dazu die mal wieder obligatorischen Schlangen vor den verschiedenen Eingängen, ist die Entscheidung schnell gefallen. Die Mona Lisa muss auch an diesem Ostermontag leider darauf verzichten, von mir betrachtet zu werden. Ätsch!


An der Seine entlang ging es dann zum nächsten Touristenziel. Während der Louvre beklaut wurde, hat es die Cathedral Notre Dame 2021 gleich ganz abgefackelt. Also, nee, zum Glück nicht ganz, aber doch erheblich. Und zum Glück konnte man das wieder aufbauen – in ordentlichem Tempo. Kein Wunder also, dass die Menschen strömen, um sich die neue alte Kirche genauer anzusehen.
Bei all den Kosten, die beim Wiederaufbau verschlungen wurden, wundert es dann umso mehr, dass ausgerechnet an dieser Stelle kein Eintritt genommen wird. Die Begründung ist jedoch auch recht einfach: Notre Dame ist ein Gotteshaus und Gotteshäuser kosten keinen Eintritt, sondern sind für alle Menschen offen. Stellt sich mir als Berliner natürlich sofort die Frage: Ist der Dom im dicken B. an der Spree eigentlich kein Gotteshaus?


Aber auch egal. So recht an einen Gott glaube ich ja sowieso nicht. Umso mehr faszinieren mich Kirchen. Was Menschen dort an Arbeit in eine Wahnvorstellung hineinstecken. Das eigene Seelenheil in eine Idee gesteckt, weil es anders nicht auszuhalten ist. Kenne ich – nennt sich bei mir nur nicht Kirche, sondern Lied, Film, Buch, Geschichte. Wie auch immer.
Kein Eintritt also, aber doch auch wieder eine lange Schlange, um hineinzukommen. Es ist drei Uhr nachmittags und die Frage stellt sich: Wie soll der Tag weiter gehen? Und so fragen wir einfach mal einen Familienvater, der schon ganz weit vorne in der Schlange steht, wie lange er bisher gewartet hat. Die Menschenschlange zieht sich kreuz und quer über den gesamten Vorplatz.
Die Antwort des Vaters, dass die Schlange sich recht schnell bewegt und er und seine kleine Familie nun erst etwa 20 Minuten stehen, lässt uns den schnellen Entschluss fassen, sich hinten anzustellen. In der Tat geht es dann recht schnell nach vorne und nach zwanzig Minuten stehen wir in etwa dort, wo wir den Familienvater befragt haben. Wir müssen dann aber lachen, als wir feststellen, dass wir am falschen Ende des abgesperrten Bereichs gefragt haben. An dieser Stelle warten noch fünf Reihen hoch und runter über den Platz, durch Sperrgitter in Wege geleiteter Zickzack.


Am Ende sind es rund 45 Minuten, ehe wir die Kirche betreten und der erste Eindruck ist etwas ernüchternd. Doch recht schlicht gehalten, das Ganze. So sieht es zumindest auf den ersten Blick aus. Wie so oft liegt die Liebe allerdings auch hier im Detail und wer Notre Dame betritt, sollte sich bei allen Touristenströmen, die sich um einen herum bewegen, die Zeit nehmen und genauer hinschauen. Viele Ecken und Decken, viele Erker, ganze Wandgemälde und zwei riesige Glasfenster im Mittelschiff. Es gibt hier sehr viel zu entdecken.
Die Kathedrale wieder verlassen, geht es die Rue D’Arcole entlang Richtung Hotel de Ville. Hier in der kleinen engen Straße ist Paris in etwa so, wie man es sich aus Filmen und Büchern vorstellt. Eine enge Gasse, ein Café nach dem anderen – in diesem Fall etwas touristisch, doch dafür eben auch wunderschön aufgemacht.


Über die Pont d’Arcole geht es rüber zum Rathaus und von dort sind es dann nur noch wenige Meter zum Centre Pompidou. Der futuristische Museumsbau ist zurzeit zwar leider geschlossen, weil renoviert und umgebaut wird, doch auch von außen auf jeden Fall mehr als einen Blick wert. Es scheint, als hätte der Architekt hier ganz einfach die Außenhaut vergessen. Alles, was sonst an Rohren, Fahrstühlen, Treppen und Leitungsschächten gut hinter den Fassaden versteckt ist, kommt hier ganz offen zum Vorschein.


Auf der anderen Seite des großen Museums beginnt dann das, was man gerne als Szeneviertel bezeichnen mag. Rund um die Rue St. Martin gibt es zahlreiche kleine Geschäfte, Cafés, Bars und Kneipen und an einem sonnigen Frühlingstag wie heute spielt sich das Geschehen selbstverständlich vor der Tür ab. Da hier in den Gassen keine Autos fahren dürfen, ist das gemeinsame Beisammensein umso entspannter. Jeder Mensch findet hier eine willkommene Stärkung – sei es in Form einer kleinen oder großen Mahlzeit oder als erfrischendes Getränk, nach Wahl mit oder ohne Alkohol.






















