Fünf Tage Paris – Tag zwei: Eine Oper, ein Kaufhaus und ein Kanal

Abendessen, schlafen, duschen, Frühstück – und ab ging’s wieder ins Gewühl. Und da die Überdosis an Menschen vom Vortag dann doch noch ein wenig nachwirkte und zudem der Wetterbericht eher bewölkten als blauen Himmel angesagt hatte (was in Sachen Fotos keine unwichtige Rolle spielt), sah der Plan für den Ostersonntag eher touristische Trampelpfade vor.
Erst einmal ging es mit dem Fahrrad rund 15 Kilometer durch Paris. Das geht wunderbar, denn überall gibt es gut ausgebaute Fahrradwege. Manchmal etwas holprig, weil Kopfsteinpflaster, aber immerhin meist gut markiert oder durch Bordsteine sogar vom Auto- und Fußgängerverkehr getrennt. Ja, zwischen den vielen roten Ampeln kann man in Paris als Fahrradfahrer sogar mal richtig Gas geben, ohne gleich ums eigene Überleben fürchten zu müssen.


Überhaupt ist der Verkehr in Paris recht entspannt. Denn im Gegensatz zu so manch deutscher Großstadt pocht hier niemand auf sein durch Verkehrsregeln gegebenes Recht. Hier fährt jeder Mensch, wie er will. Und weil dies jeder weiß, achten am Ende auch alle auf alle. Die breiten Boulevards sind hier nicht durch irgendwelche Markierungen auf der Straße in vier, fünf oder gar sechs Spuren unterteilt. Sollen die Verkehrsteilnehmer doch selbst entscheiden, wie viele Fahrzeuge da nebeneinander passen. Hängt ja auch von der Breite der Fahrzeuge ab. Und wenn man als Fußgänger mal kurz rüber muss, dann eben los. Die Autos hupen nicht, sondern fahren um dich herum. Schließlich wollen alle gesund nach Hause kommen. Und wenn du als Fahrradfahrer merkst, dass nun eben von ganz rechts nach ganz links musst, um abzubiegen, dann Arm raus und sie lassen dich. Ein Besitzdenken, wie das der Deutschen, dass die Straße ihnen gehört, kennen die Franzosen scheinbar nicht.
Chaotisch, aber entspannt komme ich also am Palace Garnier an. Und nein, hier handelt es sich eben nicht um den Palast eines Pflegemittelherstellers, sondern um eine Oper. Diese kann man tagsüber sogar auch von innen besichtigen und ich habe mir auch sagen lassen, dass sich das durchaus lohnt. Doch wie war das gestern mit den Menschenschlangen?


Also kurz den QR-Code gescannt, der am Eingang überall hängt. Und eben gesehen, dass alle Einlasstickets für diesen Tag bereits vergeben sind. Wie kann man auch denken, dass man an Ostersonntag… und so geht es eben direkt um die Ecke rein ins Galerie Lafayette. Dieses Kaufhaus erstreckt sich ungelogen über vier bis fünf Straßenecken (so genau habe ich nicht gezählt) und lädt wirklich zum Kaufrausch ein.
Mein Ziel ist jedoch eher die Dachterrasse. Hier oben hat man einen Blick über die Dächer von Paris. Zumindest, wenn man sich durch die Menschenmassen gewühlt hat und dann traut, sich direkt an die hüfthohen Plexiglasscheiben zu lehnen. Immerhin: Bisher ist bei Lafayette noch niemand auf die Idee gekommen, Eintritt für den Panorama-Blick zu verlangen.


Danach geht es mit dem Fahrrad noch ein Stück weiter bis zum Place de la Republic. Von hier kann man das Stadtviertel St. Martin gut zu Fuß erkunden. Dieses Arrondissement zeichnet sich dadurch aus, dass es auf den ersten Blick eher wie Amsterdam wirkt – was am Kanal liegt, der sich seinen Weg mitten durchs Viertel sucht und den Menschen eine willkommene Gelegenheit bietet, am Ufer zu sitzen und zu lesen, sich zu unterhalten, gemeinsam etwas zu essen oder gar eine Partie Schach zu spielen. Im Sommer wird das Wasser bei hohen Temperaturen auch gerne für eine kurze Abkühlung genutzt und der Kanal so zu einem Schwimmbad.
In irgendeinem Reiseführer hatte ich etwas von bunten Häusern gelesen, die den Kanal säumen. Ich habe sie vergeblich gesucht. Einzig auf Höhe der Rue des Récollets gibt es drei angemalte Ladengeschäfte.


Doch zum Glück muss man auch Touristen in dieser Ecke eher suchen. Natürlich gibt es sie (wie überall in Paris) und auch ist auffällig, wie viel Englisch bei den jungen Leuten am Kanal gesprochen wird. Dies hat jedoch eher mit dem Studium in Frankreichs Hauptstadt zu tun als mit einem kurzfristigen Aufenthalt.
Schlägt man sich ein hier in St. Martin ein wenig in die Seitenstraßen, erlebt man Pariser Straßenzüge, wie sie fernab von Touristenströmen aussehen. Ebenfalls gesäumt von Cafés, Bistros und Restaurants, aber auch mit den kleinen Geschäften wie dem Blumenladen an der Ecke, dem Schuster, der Schuhe tatsächlich auch noch flicken kann oder das Restaurant, in dem die volle Mahlzeit nur etwa die Hälfte von dem kostet, was man am Champs Elysee für sein Essen berappen muss.



















