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Fünf Tage Paris – Tag eins: Die Stadt der Liebe

Wie über fast jede große Stadt auf dieser Welt, ist im Grunde auch über Paris vielleicht längst alles gesagt. Jeder Mensch, der schon mal hier war, kennt seine Lieblingsecken und -plätze, sein Lieblingscafé, sein Lieblingsrestaurant. Und jeder Mensch, der schon mal hier war, hat immer den gut gemeinten Ratschlag, wo man denn unbedingt hin muss und was man unbedingt gesehen haben sollte. Da Paris jedoch bekanntlich auch die Stadt der Liebe ist, habe ich eben einfach mal mein Herz entscheiden lassen. Denn Liebe ist alles und so viel mehr als all der Krieg auf dieser Welt.

Nirgendwo erlebt man dies dieser Tage so sehr wie in der französischen Hauptstadt. Denn hier sind die Menschen aus allen Ländern dieser Welt. Aus China kommen sie, aus Japan, Südkorea oder anderen Ländern in Fernost. Aus Indien, Thailand, Vietnam. Sie kommen aus den USA, aus England, Deutschland, der Schweiz oder Schweden. Viele sind aus Spanien oder Portugal, aber auch aus Mexiko oder Brasilien, Argentinien und dem Rest Südamerikas. Und natürlich kommen sie auch aus Afrika, aus den früheren oder heutigen französischen Kolonien, die noch immer über die ganze Welt verteilt sind. Und hört man sich die gesprochenen Sprachen an, so ist neben dem obligatorischen Französisch natürlich auch Englisch dabei, Spanisch, Deutsch, Portugiesisch. Auch slawische Sprachen sind gut vertreten – ich kann sie immer noch nicht alle auseinander halten. Von den unzähligen arabischen Sprachen und Dialekten ganz zu schweigen.

Hier in Paris ist das möglich: Muslime stehen neben Juden, Buddhisten und Christen. Sie alle staunen über die Schönheit des Eiffelturms und verschwenden keinen Gedanken daran, den Menschen um sie herum den Schädel einzuschlagen. Ein bemerkenswerten Sammelsurium verschiedenster Menschen von überall her und mit den unterschiedlichsten Sozialisationen – und doch ganz friedlich neben- und miteinander. Es ist also verdammt nochmal möglich. Denn es sind nie die einfachen Menschen, die Krieg wollen. Immer sind es die Herrschenden. Die, die am wenigsten zu befürchten haben, wenn es zur Sache geht, weil sie ihre Schäfchen längst im Trockenen haben.

Hoffen wir also, dass Paris noch sehr lange die Stadt der Liebe bleiben kann und wenn jeder Mensch auch nur einen kleinen Anteil dieser Liebe wieder mit in seine Heimat nimmt, ist vielleicht schon ein klein wenig wieder gewonnen.

Ganz in diesem Sinne habe ich mich – meinem Herzen folgend – an meinem ersten Tag in Paris mitten ins touristische Gewühl gestürzt. Der berühmte Turm aus Stahl und all die vielen Menschen drumherum. Findet man selbst in Berlin nur an wenigen Stellen und ich komisch, weil ich diesen Gedanken in anderem Zusammenhang erst vor wenigen Tagen mit Frankfurt hatte.

Einzig die Preise hier finde ich ein wenig übertrieben. 36,70 Euro für eine Fahrstuhl-Fahrt nach oben? Da musste ich doch prompt mal googeln, was die Fahrt im Fernsehturm in Berlin so kostet. Oha, immerhin auch 24,50 Euro. Kein Wunder also, dass ich da noch nie oben war. Und auch kein Wunder, dass ich mir den Eiffelturm nur von unten angesehen habe.

Es ging dann rüber auf die andere Seite zum Trocadero. Hier wimmelt es von Brautpaaren, die sich aus irgendeinem Grund in die Idee verliebt haben, ihre Hochzeitsfotos vor dem stählernen Koloss zu machen. Schaut man in die Gesichter der frisch Vermählten, löst sich die Liebe zu  dem Gedanken spätestens dann auf, wenn man bemerkt, dass man hier eben nicht allein ist und Touristen gerne zu der Sorte ignoranter Menschen gehören, die es einfach nicht merken, wenn sie den Versuch eines romantischen Hochzeitsfotos crashen. Den unzähligen Influencern, die sich vor dem Turm für ihre mehr oder weniger zahlreichen Follower in Pose stürzen, geht es übrigens genauso. Immer wieder müssen sie ihre Videos unterbrechen, weil wildfremde Menschen durchs Bild laufen. Allerdings hält sich mein Mitleid bei dieser Sorte von Menschen eher in Grenzen. Ich lächele dann mit viel Liebe in mich hinein.

Vom Trocadero ging es dann weiter zum Arc de Triomphe. Und was soll ich sagen? Dasselbe Bild, nur weniger Hochzeitspaare. Doch eben mindestens genauso viele Touristen, Influencer und Familien, deren Eltern je nach Größe der Kinder gar nicht so aussehen, als hätten sie im Urlaub eine schöne Zeit. Spätestens hier fällt dann auch das auf, was mir schon auf so vielen Reisen rund um die Welt aufgefallen ist: Warum sehen die Menschen trotz Urlaub eigentlich immer so gestresst und unglücklich aus?

Bestes Beispiel: Diese Hopp-on-Hopp-off-Busse oder – in kleineren Städten – diese berühmten Bimmelbahnen. Hast du dir die Leute, die in diesen Gefährten sitzen, schon mal genauer angesehen?  Achte mal drauf: Gesichter wie sieben Tage Regenwetter. Überteuerte Fahrpreise bezahlt, um dann auszusehen, als käme man von Tante Ernas Beerdigung. Nach Urlaub sieht in diesen Gefährten niemand aus. Achte mal drauf!

Doch zurück zu Stadt der Liebe. Auf den Triumphbogen kann man nämlich drauf. Doch es ist Ostern, die Stadt ist voll und überall bilden sich lange Schlangen. Dauerte das nicht in Angriff genommene Anstehen am Eiffelturm laut Anzeige etwa eine Stunde, sind es hier in der Mitte des großen Kreisverkehrs »nur« rund 40 Minuten. Für mich jedoch auch hier die Entscheidungshilfe – ohne mich.

Also geht es direkt weiter. Den Champs Elysee runter. Vorbei an den Luxusgeschäften und all den Opfern, die an der Prachtmeile – nun was schon? – zum Teil sogar anstehen müssen, ehe sie in einen Laden gelassen werden, in dem schon die Socken 500 Euro und mehr kosten. Anstehen, um mir Dinge anzusehen, die ich mir sowieso nicht leisten kann? Leute, was stimmt nicht mit euch? Merkt ihr nicht, dass die Sachen nur deshalb so teuer sind, weil ihr dort ansteht?!

Ich laufe bis zum Place de la Concorde runter. Eindrücke prasseln auf mich ein. Und ich wundere mich, dass es mir eben trotzdem gefällt, obwohl diese Shopping-Welt so gar nicht meine ist. Eine leichte Schamesröte treibt es mir ins Gesicht, als ich merke, dass es letztlich die Aufmachung ist. Hier ist alles irgendwie ein bisschen größer. Die Menschen ein wenig exaltierter, ein wenig übertriebener als woanders auf der Welt. Hier zeigen sie es. Ihre Extravaganz, ihr Gefühl, irgendwie anders zu sein als der Rest – auch ihre Überheblichkeit, irgendwie besser zu sein als der Rest. Hier am Boulevard kann man es sehen. In aller Deutlichkeit und Dekadenz. Und wer wäre ich als Menschenhasser, wenn ich dieser Dekadenz nicht auch was abgewinnen könnte?!

Scherz! Und jetzt überleg mal…

Ich bin an meinem ersten Tag noch in die Seitenstraßen rein, um den Elysee-Palast zu sehen. Allerdings gab es gar nicht viel zu sehen. Alles abgesperrt. Also die Avenue wieder hoch und Ende des Tages. Paris ist eine Wucht. Berlin in vielen Dingen so ähnlich und doch so ganz anders.

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