{"id":307,"date":"2024-08-09T23:28:33","date_gmt":"2024-08-09T21:28:33","guid":{"rendered":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/?p=307"},"modified":"2024-09-24T13:47:32","modified_gmt":"2024-09-24T11:47:32","slug":"regentag-rausgerotzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/?p=307","title":{"rendered":"Regentag und rausgerotzt"},"content":{"rendered":"\n<p>Irgendwie hat es sich auf meiner Reise so eingependelt, dass hier alle drei Tage eine neue Wortmeldung kommt. Ob das auch f\u00fcr den Rest der Tour so bleibt, wei\u00df ich allerdings noch nicht. Heute passt es allerdings ganz gut, denn seit vorgestern stehe ich mit meinem Camper vor den Toren von Kopenhagen und nachdem ich gestern einen wundervollen Tag in der d\u00e4nischen Hauptstadt hatte, regnet es heute. Und zwar ziemlich dolle. So ein klein wenig Nieselregen w\u00fcrde mir ja nichts ausmachen, aber wenn man plitscheplatsche nass ist, sobald man vor die T\u00fcr tritt, legt man eben mal einen ruhigen Tag ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will auch gar nicht beschweren. Denn bisher hatte ich auf meiner Reise das gro\u00dfe Gl\u00fcck, dass es immer an den Tagen geregnet hat, wenn ich von einem Ort an den n\u00e4chsten weitergezogen bin &#8211; also praktischerweise sowieso im Wohnmobil gesessen habe. Das war auf dem Weg von Neustadt nach Fehmarn schon so und auch zwischen Fehmarn und Sylt hatte es kurz geregnet. V\u00f6llig verregnet war dann die Fahrt am Mittwoch zwischen Sylt und Kopenhagen. Doch kaum war ich angekommen, riss der Himmel auf und ich konnte hier noch die Gegend erkunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende ist ja dann auch immer die Frage, was man aus solchen Tagen macht, an denen der Regen unaufh\u00f6rlich aufs Dach des Wohnmobil pl\u00e4tschert. Da der Regen angek\u00fcndigt war, habe ich nat\u00fcrlich zuallererst einmal das getan, was ich ja ganz gerne mache: Ich habe ausgeschlafen. So richtig, bis ich von selbst wach wurde und dann auch gemerkt habe, dass ich nicht wieder einschlafe, wenn ich mich noch einmal umdrehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck habe ich mich dann dem gewidmet, dessen ich mich auf meiner Reise bisher schon viel gewidmet habe &#8211; der eigenen Kreativit\u00e4t. Und tats\u00e4chlich hat der heutige Regentag nun dabei geholfen, einen ersten Schlussstrich zu ziehen. So ein Werk entsteht ja meist in drei Phasen. Teil eins nenne ich immer das Rausrotzen. Etwas derbe, ich wei\u00df, aber es trifft es ganz gut. Einfach mal rauslassen, was drinnen ist &#8211; ob es am Ende ertr\u00e4glich wird, zeigt sich. Denn die zweite Phase ist das Reifenlassen. Einfach mal f\u00fcr zwei bis vier Wochen die Finger weg davon und sich mit anderen Dingen besch\u00e4ftigen. Dann folgt die dritte Phase: Der Feinschliff. Kurz gesagt: Aus dem Roh-Diamant wird ein Edelstein.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Phase des Rausrotzens habe ich nun heute an diesem regnerischen Tag in der N\u00e4he von Kopenhagen hinter mich gebracht. Das ist insofern immer entscheidend, weil ich an diesem Punkt merke, ob etwas funktioniert &#8211; ob die ganze Sache f\u00fcr mich pers\u00f6nlich stimmig ist. Ist sie dies nicht, kommt das Teil gnadenlos in den Papierkorb. Dies ist heute nicht geschehen. Was immer da also heute die Phase des Rausrotzens hinter sich gebracht hat, es funktioniert. Noch nicht an allen Ecken und Enden, doch die Grundlage f\u00fcr eine sp\u00e4tere Ver\u00f6ffentlichung ist definitiv gelegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Um was es bei dem Werk geht, bleibt an dieser Stelle geheim. Das kann ein Song, ein Film, ein Buch sein. Aufl\u00f6sung folgt sp\u00e4ter. Ebenfalls sp\u00e4ter, aber schon sehr bald, folgt dann eine weitere Ank\u00fcndigung. Ein paar Leute wissen schon, worum es geht. Alle anderen m\u00fcssen sich noch ein paar Tage gedulden. Nur so viel kann ich sagen: Auch hier wurden an diesem Regentag in der N\u00e4he von Kopenhagen Dinge einget\u00fctet, die das Ganze dann schon bald zum Abschluss bringen werden. Und sobald die Tinte dann trocken ist, haue ich es auch raus. Versprochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so nutzt man eben einen verregneten Tag in D\u00e4nemark und freut sich so gegen halb sechs Uhr am Abend, wenn der Himmel dann pl\u00f6tzlich aufrei\u00dft. Weil auch der Regenradar f\u00fcr den Rest des Tages keine nassen Wolken mehr anzeigt, geht es dann noch ein wenig aufs Fahrrad, die Gegend erkunden. Ich mache mich auf den Weg in die Stadt, die hier direkt beim Campingplatz liegt. Ish\u00f8j hat etwas mehr als 21.000 Einwohner ist irgendwie ganz seltsam. Es gibt zwei riesige (und damit meine ich wirklich gro\u00dfe) Einkaufszentren oder wie man Neu-Deutsch sagt: Shopping Malls. Und sonst: Nichts. Wirklich: Nichts. Eine  riesige Schule, mehrere Kinderg\u00e4rten und ansonsten nur Wohnh\u00e4user. Kein Caf\u00e9, keine Kneipe. Nichts. An der Einfallsstra\u00dfe gibt es einen (!) kleinen Imbiss, bei dem man sich mit Pizza, Pommes und D\u00f6ner versorgen kann. Ansonsten: Nur Wohnh\u00e4user. Von riesengro\u00df \u00fcber mittel bis klein. Aber alles im Einheitsbau. Nicht etwa, dass hier jeder sein schickes Wohnhaus hat, w\u00e4hrend er nebenan in Kopenhagen arbeitet. Nein. Man f\u00e4hrt etwa einen Kilometer die Stra\u00dfe entlang und ein Haus sieht aus wie das n\u00e4chste. Und das wirklich kilometerweit. In der Mitte hat man dann noch einen k\u00fcnstlichen Teich angelegt und am Stadtrand steht diese komische Kirche.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-03-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-313\" srcset=\"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-03-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-03-300x200.jpg 300w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-03-768x512.jpg 768w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-03-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-03.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich habe bei meinen Reisen wirklich schon viel gesehen. Und da waren auch trostlose Ecken dabei. Frag die Engl\u00e4nder in ihren Industriest\u00e4dten wie Birmingham oder Sheffield. Aber das hat dann wenigstens noch den Charme der besseren Zeiten, die vergangen sind. Hier sucht man den Charme vergeblich, denn man wei\u00df: Es war vom ersten Tag an trostlos. Eine Stadt am Rei\u00dfbrett entworfen, in der selbst das Rathaus in einem Einkaufszentrum untergebracht ist. Eine Stadt, in der es keine Spielpl\u00e4tze gibt, weil auch diese in den beiden Einkaufszentren untergebracht sind. Eine Stadt, die trostlos ist wie ein Regentag im Wohnmobil, wenn man nicht gerade an kreativen Werken arbeitet.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-02-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-312\" srcset=\"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-02-768x1024.jpg 768w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-02-225x300.jpg 225w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-02-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Regentag-02.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Reisen muss man einen Regentag zu nutzen wissen. Als Mensch genau wie als Graugans.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":311,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,20,29,12],"tags":[],"class_list":["post-307","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-auf-reisen","category-daenemark","category-der-letzte-abend","category-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/307","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=307"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/307\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/311"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=307"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=307"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/melodieundwahnsinn.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=307"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}